Stufe

Begriff

Jene Psychologen, die Entwicklung als diskontinuierlich betrachten, sprechen von unterschiedlichen Entwicklungsstufen, von qualitativ unterschiedlichen Entwicklungsniveaus. Die Entwicklungstheorien von Piaget und Erikson sind Beispiele für Stufentheorien. Oftmals wird an Stelle von „Stufe“, die Bezeichnungen mit ähnlicher Bedeutung, „Phase“, „Stadium“ und „Periode“ gebraucht.

Das Konzept der Stufen, das für die Entwicklungspsychologie von großer Bedeutung ist, impliziert ein Fortschreiten auf einen Endzustand hin. Entwicklungsstufen, nimmt man an, treten immer in derselben Reihenfolge auf, wobei jeweils eine Stufe auf der Vorherigen aufbaut.Achtung: Absolute Phasenlehren sind heute eigentlich veraltet und werden kaum noch benützt, denn sie stehen evtl. im Widerspruch zum Prinzip der Individualisierung.

Kennzeichen von Entwicklung als Abfolge von Stufen:

  • Ein bestimmter seelischer Entwicklungs- und Reifezustand ist für längere Zeit beim Kind bestimmend. Während dieser Zeit sind keinen wesentlichen Veränderungen feststellbar, sondern es erfolgt ein Ausbau sowie die Festigung des Erreichten. Falls dieser Zustand länger anhält: Stufe. Kürzerer Unterabschnitt: Phase.
  • Zwischen zwei Stufen liegt ein deutlich erkennbarer Einschnitt, der als rascher Übergang/ Veränderung sichtbar wird (= Krisenzeiten/ Entwicklungsübergänge/Kritische Lebensereignisse).
  • Stufen/ Phasen folgen in einer bestimmten irreversiblen Folge aufeinander. Jede Stufe basiert dabei auf der Vorausgegangenen und wird dadurch erst ermöglicht.
  • Diese schubweise Entwicklung beruht auf einer naturgegebenen inneren Gesetzmäßigkeit und ist weitgehend unabhängig von den jeweiligen sozialen Einflüssen, sofern diese nicht hemmend oder störend wirken.
  • Nicht zur Kennzeichnung einer Phasen-/ Stufenlehre gehören genaue Angaben über die Dauer eines Abschnittes und Altersangaben über Beginn und Ende einer Stufe. Diese Angaben haben lediglich Hilfsfunktion, denn es gibt hier individuelle Schwankungen.
Phase Zeitraum Kennzeichen
Säuglingsphase (bis 9 Monate) Ich- zentrierte Körperzuwendung. Es entsteht erstes Wissen um sich selbst (z.B. das Kind wird unruhig, wenn es nicht trockengelegt ist)
Erstes Kleinkindalter (9 Monate – 2,5 Jahre) Ich- zentrierte Gegenstandszuwendung wächst. Greifalter, Illusionsspiele (z.B. Stuhl = Auto)
Zweites Kleinkindalter (2,5 Jahre – 5,5 Jahre) · Ich- zentrierte Gegenstandseinordnung. Nicht mehr der Gegenstand an sich wird betrachtet, sondern die Beziehung der Gegenstände untereinander (Kettenfragen). Ca. 3 Jahre: Trotzalter „Ich kann, ich darf, …“
Phase der Schulfähigkeit (6 Jahre – 9 Jahre) Ich- zentrierte Aufgabenhaftigkeit. Eine Handlung hat nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende (Leistungsmotivation)
Volle Kindheit (9 Jahre – 12 Jahre) Erste Objekthinwendung. Unterordnung des Ichs unter das Objektive durch Leistung (typisches Sammelalter)
Vorpubertät (ab 12 Jahre) Akt-/ Worthinwendung
Pubertät (ab 13/14 Jahre) Sinnzuwendung
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